Für jeden kommt etwas vor! Komödien,
Kriminalfilme, Psychothriller, Dramafilme, Literaturfilme, und Dokumentarfilme:
Jedes Thema kommt an die Reihe: Wissenschaft, Kultur, Geschichte, Politik.
Kürzere Reisefilme—12-14 Minutenlang
• Die Plätze des Stanislas—Nancy
• Die Grube Messel—Deutschland
• Haeinsa—Tempel der schwarzen Kunst - Südkorea
• Schloßpark Schönbrun (Wien)
• Die Megalith-Tempel Maltas
• Budapest—Donauufer und Burgviertel
Dokumentarfilme—30-45 Minutenlang
• Nahaufnahme - Filme, Feten und Finanzen
• Buchhandlung
• Konrad Melz-Ein Mensch fällt aus Deutschland
• Hausgeburt
• Aus schreberischer Geist;
• Neues aus der Hirnforschung
• Infektionkrankheiten-warum sie nicht verschwinden
• Tatort—Ausgespielt
Kürzere
Reisefilme—je 12-25 Minutenlang
Die Grube Messel—Deutschland
Fenster zur Urzeit
In der Nähe von Darmstadt liegt einer der aufschlußreicher Orte,
wenn es darum geht, einen Einblick in die Urgeschichte der Erde und es Lebens
zu erhalten: die Grube Messel. Vor 49 Millionen Jahren war diese Ölschiefergrube
ein blühender Lebensraum; die Grube war ein See – gelegen in einem tropischen
Regenwald. Klima und Vegetation erklären sich aus der damaligen Lage.
Sie lag viel näher am Äquator, etwas auf der Höhe von Sizilien.
Im Zuge der Kontinalverschiebung wurde Messe an den heutigen Ort gerückt.
Nirgendwo sonst gibt es derart viele gut erhaltene Fossilen auf so engem
Raum. Berühmt ist das „Urpferd“, ein Vorläufer des heutigen Pferdes
– nicht größer als ein Hund.
Haeinsa—Tempel der schwarzen
Kunst – Südkorea
Der Haeinsa-Tempel auf dem nur schwer zugänglichen Kaya-Berg in Südkorea
wurde im Jahre 802 errichtet. Es handelt sich um eine Anlage mit mehreren
Gebäuden, an einem Hang gebaut und mit einem aufstrebendem Mittelweg.
Die farbenfrohen Verzierungen sind ausschließlich auf die Wahrung der
Harmonie ausgerichtet.
Zu oberst stehen die vier Bauten des Changgyoing P'ango. Hier wird eine Fassung
des Tripitaka aufbewahrt, jener Sammlung des Theravada-Buddhismus, die 1496
Bände umfasst. Es handelt sich um einen Schatz ohne Gleichen. 80 000
Druckplatten aus Holz, perfekt erhalten, sind hier zu finden.
Seit dem 13. Jahrhundert wird hier das Tripitaka Koreana hergestellt, 200
Jahre bevor Gutenberg den modernen Buchdruck erfand. Und auch heute noch
dienen die selben Druckplatten als Vorlagen.
Kulturdenkmal: buddhistische Klosteranlage, Aufbewahrungsort der berühmten
Druckplatten des Tripitaka Koreana, umfassendster Kanon des Mahayana-Buddhismus
Unesco-Ernennung: 1995
802 Gründung einer Einsiedelei durch die Mönche Sunung und Ijong
1009-31 unter dem König Hyonjong Druckplattenherstellung des ersten
Tripitaka Koreana
1087 Vollendung des Tripitaka Koreana
1236-51unter König Kojong erneute Herstellung des bei einem Mongolensturm
zerstörten Tripitaka Koreana
seit 1398 Aufbewahrung der Druckstöcke im Chi-chon-sa von Hanyang (Seoul)
1488 Bau der Magazine Changgyong P’anjon
1592 und 1597 japanische Invasionen
1817 Brand des Haein-sa
1928 Bau der »Haupthalle des Großen Lichtes«
1940 Bau des »Schreins der Drei Geister«
1967 Bau der Gerichts- oder Höllenhalle
Nancy – Die Plätze
des Stanislas – Frankreich
Nancy besitzt eine der schönsten Platzanlagen Europas. Mitte des
18. Jahrhunderts in nur fünf Jahren erbaut, gehört das Ensemble
aus Architektur, Kunst, und Gartenbau auf dem Place Stanislas, dem Place
de la Carrière und dem Place de l’Hémicycle zu den Meisterwerken
des Barocks und der Klassik.
Schloß
und Park – Schönbrunn in Wien
Am Höhepunkt habsburgischer Machtenfaltung zu Beginn des 18. Jahrhunderts
wird Schönbrunn eine der wichtigsten Bauvorhaben der Haupt- und Residenzstadt.
Wie kein andere4s Bauwerk repräsentierten das Schloß und die Gartenanlage
Aufstieg und Glanz der Habsburger.
Die Megalith-Tempel Maltas
Nur ein Jahrtausend lebte ein namenloses kleines Volk unbekannter Herkunft
auf Malta. Es muß von tiefer Frömmigkeit gewesen sein, denn es
hat gewaltige Tempel errichtet. Unvorstellbare Kraftleistungen waren nötig,
denn die Megalithen, aus denen die Anlagen erbaut sind, haben das Volumen
kleiner Häuser und wiegen 40 – 50 Tonnen.
Budapest—Donauufer und Burgviertel
Die Hauptstadt Ungarns liegt in einer beeindruckenden Landschaft: Beiderseits
der Donau zwischen ungarischem Mittelgebirge und großem Tiefland.
Das Bild der Stadt ist geprägt von Zerstörung und Wiederaufbau.
Auf den Fundamenten des Alten entstand das neue, heutige Budapest.
Am rechten Donauufer liegen die Stadtteile Buda mit dem Burgberg und Obuda
mit den Ruinen des alten römischen Legionslagers Aquincum, am linken
Ufer der Stadtteil Pest.
Der Film zeigt nicht nur das heutige Stadtbild, sondern führt zurück
in die lange Geschichte dieser Stadt. Die Türken und Römer hinterließen
ihre Spuren. Im 18. Jahrhundert kamen die Habsburger unter Maria Theresia
als Besatzer. Ihren Architekten verdankt die Burg ihre Wandlung zum heutigen
Barockschloss.
Kulturdenkmal: die Innenstadt von Budapest und das Panorama beider Ufer der
Donau
Unesco-Ernennung: 1987
1061 erste urkundliche Erwähnung von Pest
1247-65 Bau der königlichen Burg auf dem Budaer Burgberg
1255-69 Bau der Matthiaskirche auf der Budaer Burg
1308 Krönung von Karl I. von Anjou zum ungarischen König
1347 Umzug des Hofstaates von Visegrad nach Buda
1468 Pest; königliche Freistadt
1526 Plünderung und Brandschatzung Budas
1545-1686 Buda in der Hand der Türken
1686 Vertreibung der Türken durch das Heer der Heiligen Liga
1703 Buda und Pest freie Städte
1873 Vereinigung dreier Städte, Buda, Obuda und Pest, zu Budapest
1899-1905 Bau der Fischerbastei
1980 Neueröffnung der Redoute (1821-84)
Dokumentarfilme—je
30-45 Minutenlang
Konrad Melz-Ein Mensch fällt aus Deutschland
Der Schriftsteller Konrad Melz
Als der Exilroman „ein Mensch fällt aus Deutschland“ 1936 in Amsterdam
erschien, wurde er von der Kritik begeistert aufgenommen. „Ich war fünf
Minuten berühmt“ sagte der 90jährige Schriftsteller Konrad Melz
1988 lakonisch. aufgewachsen ist Konrad Melz als Sohn eines armen jüdischen
Schneiders in Berlin. 1934 wurde er in ein geplantes Hiter-Attentat verwickelt
und floh nach Holland, wo er als Knecht durchschlug. In den Nächten
schrieb er sich sein Emigrantenlos seine verzweifelte Haßliebe zu Deutschland,
von der Seele expressionistisch, anklagend doch mit unerschütlichem
Humor. Als1940 die Nazis nach Holland kamen, versteckte sich Konrad Melz
in einem Schrank. Nach dem Krieg wurde Konrad Merz Masseur; erst in den 70er
Jahren hatte er wieder die Kraft zu schreiben. Bis heute spiegeln seine Erzählungen
das Trauma der Hitler-Zeit.
Neue Menschen aus Schreberischer
Geist
Geschichte einer deutschen Erziehung
Jedem Deutschen fällt zu dem Namen Schreber etwas ein. Er denkt an Schrebergarten
– inbegriff deutsche Kleinbürgerlichkeit und Gemütlichkeit. Benannt
sind sie nach dem Leipziger Arzt Moritz Schreber. Psychiater verbinden mit
dem Namen Schreber etwas anders. Sie denken an das bizarrste Wahngebäude
in der Geschichte der Psychiatrie, ersonnen von dem schizophrenen Gerichtspräsidenten
Paul Schreber, Sohn von Moritz Schreber. Der Film zeichnet die seltsame Familiengeschichte
der Schrebers nah. Es ist die Geschichte des ehrgeizigen Weltverbesserers
Moritz Schreber, dessen Kinder am Anspruch, die ersten neuen Mustermenschen
zu werden, tragisch scheitern.
Neues aus der Hirnforschung
Unfälle im Straßenverkehr, Zeugenvernehmung – weltweit eine Routinearbeit
für die Polizei. Wie verläßlich aber sind die Zeugenaussagen?
Warum war für den einen die Ampel rot, für den anderen grün?
Was passiert im Gehirn, daß objektive Wahrnehmung nicht möglich
ist – jeder etwas anders sieht? Kann man größere Wahrnehmung trainieren?
– Außerdem „Déja-vu-Erlebnisse“ – sind sie bloße Hirngespinste
oder im Unterbewußtsein gespeicherte Informationen?
Krank und
vervirt
Infektionkrankheiten-warum sie nicht verschwinden
17 Millionen Menschen sterben pro Jahr an Infektionskrankheiten. Die Weltgesundheitsorganisation
schlägt Alarm. Nicht nur neue Erreger bereiten Medizinern und Epidemiologen
Probleme. Auch alte, längst beherrschbar geglaubte Krankheiten haben
wieder zugenommen. Schlimmer noch immer häufiger lassen sich Infektionskrankheiten
mit den alten Medikamenten nicht mehr behandeln.
Tatort— Ausgespielt
Ums große Geld dreht sich alles in diesem Film. Stoever soll den
brutalen Mord an einem bekannaten Jazzmusiker aufklären.
Der heruntergekommene und in die Obdachlosenszene abgerutschte Jazzmusiker
Max Zeller wird erschlalgen aufgefunden. Stoever und sein Kollege Brockmöller
erkennen in dem Toten ihr altes Jazz-Idol wieder und versuchen herauszufinden,
wie Zeller so zugrundegehen konnte. Während sich parallel eine Erpressergeschichte
entwickelt, kommen die Kommissare auf die Spur eines Plagiats, durch das
der Mörder offfenbar an das ganz große Geld kommen will.
Der
Zarewitsch
Operette (1927) Musik: Franz Lehár; Libretto: Béla Jenbach,
Heinz Reichert
»Der Zarewitsch« geht zurück auf ein Schauspiel der polnischen
Schriftstellerin Gabryele Zapolska. Lehár sah das Stück 1925
auf einer Wiener Bühne, war sofort von dem Sujet begeistert und hat
hierzu eine Musik geschrieben, die den besten seiner Werke gleichwertig ist
und der es wohl auch hauptsächlich zu verdanken ist, dass sich das Werk
als lebens-fähig behauptet hat. Schon die Uraufführung des "Zarewitsch",
die 1927 stattfand, war ein überaus großer Erfolg.
Die Gestalt des Zarewitsch ist historisch. Es handelt sich um Alexej, den
Sohn Peters des Großen. Die Handlung basiert auf wahren Begebenheiten:
Der junge Zarewitsch soll verheiratet werden, doch er ist äußerst
unzugänglich für jede weibliche Annäherung. Durch eine Intrige
gelingt es seinem Vater mit Hilfe der Tänzerin Sonja den Bann zu brechen.
Doch verlieben sich Sonja und der Thronfolger ineinander. Dieses gefährliche
Keimen echter Liebe versucht der betriebsame Großfürst mit allen
Mitteln zu zerstören und zwingen den Thronfolger seine Gefühle
den Standesrücksichten zu opfern.
Die Operette:
Schwermut beherrscht die Musik in der Operette nach dem Libretto von Bela
Jenbach und Heinz Reichert. Franz Lehár (1870-1948) schrieb sie mit
57 Jahren; 1927 wurde sie in Berlin uraufgeführt. Die russische Atmosphäre
des Buchs schlägt sich in der starken slawischen Färbung der Musik
nieder, im Kontrast zum italienischen Kolorit des dritten und letzten Akts.
„Der Zarewitsch“ ist eine Operette voll Leidenschaft, Entsagung und Melancholie.
Petersburg und Neapel, Ende des 19. Jahrhunderts. Der junge Zarewitsch huldigt
asketisch-soldatischen Idealen. Frauen haben in dieser Welt keinen Platz.
Sogar sein Kammerdiener Iwan kann seine Mascha nur heimlich empfangen, denn
niemals würde der Kronprinz verheiratetes Personal um sich herum dulden.
Was tun, wenn der russische Thronfolger zwar heiraten soll, aber von Frauen
nichts wissen will? Überhaupt ist er allen Vergnügungen abhold,
und das bereitet seiner Umgebung Sorgen. Auch dem Ministerpräsidenten
bereitet solch rigide Haltung des Prinzen gegenüber dem schönen
Geschlecht einige Sorge, soll doch der Zarewitsch demnächst heiraten!
Der Ministerpräsident entwirft einen Plan: Der junge Zarewitsch soll
vorsichtig an die Frauenwelt herangeführt werden, da man am Hof eine
standesgemäße Heirat von ihm erwartet. Ihm scheint es daher geboten,
den künftigen Thronfolger durch eine Geliebte auf die anstehende Ehe
vorzubereiten. Schnell ist das richtige Mädchen dafür gefunden.
Alles wäre perfekt, würde sich die gutgemeinte Schulung nicht zu
einer echten Liebesbeziehung entwickeln.
Das Ballettmädchen Sonja soll des Zarewitsch Geliebte werden und ihn
auf die Ehe vorbereiten. Sonja wird in seine Gemächer geschmuggelt .
Der Plan schlägt fehl. Aus der eingefädelten Liebschaft wird echte
Liebe. Aber da wäre noch die Braut, die für den Zarewitsch ausersehen
ist. Der Zarensohn flieht mit der eigentlich nur als „Lockmittel" ausersehenen
Sonja nach Neapel. Doch ihr Glück ist begrenzt. Ihre heftige Affäre
wird durch den Tod des Zaren unterbrochen und die Politik fordert ihr Recht.
Die Pflicht ruft den Thronfolger wieder in seine Heimat, und Sonja verzichtet
auf ihn.
Bauern,
Bonzen und Bomben Farbe, 450 Min. (5 Teile), 1973
Produktion: Norddeutscher Rundfunk
Regie: Monk, Egon
Musik: Alexander Goehr
Drehbuch: Egon Monk
Kamera: Kurt Weber, Hans Sommerfeld
Darsteller: Arno Assmann, Eberhard
Fechner, Edgar Bessen, Ernst Jacobi, Horst Bergmann, Rudolf Brand, Siegfried
Wischnewski
Nach dem gleichnamigen Roman von Hans Fallada
Teil 1: Die Bauern
Teil 2: Die Demonstration
Teil 3: Die Städter
Teil 4: Alle gegen alle
Teil 5: Der Gerichtstag
„Bauern, Bonzen und Bomben" machte den oft als „Volksschriftsteller"
bezeichneten Hans Fallada 1931 mit einem Schlag berühmt. Den Grund
für seinen ersten literarischen Erfolg nennt der Autor selbst: „Bei
der Wiedergabe der Atmosphäre, des Parteihaders, des Kampfes aller gegen
alle ist höchste Naturtreue erstrebt. Meine kleine Stadt steht für
tausend andere..."
In dieser kleinen Stadt, Neumünster in Holstein (alias Altholm
im Roman) hatte Fallada einst als Annoncenwerber und Gelegenheitsreporter
beim „ General-Anzeiger" sein Geld verdient und dabei den Stoff zu diesem
Buch gesammelt, von dem der Regisseur der Fernseh-Verfilmung, Egon Monk,
sagt, es zeige „einige Ursachen für den Verfall der Weimarer Republik"
auf. Die militante völkische Landvolk-Bewegung (1928 gegründet)
im Schleswig-Holstein der späten Weimarer Republik schob der „roten
Judenrepublik“, dem verhaßten republikanischen „System" die Schuld
an ihrer ökonomischen Notlage zu. Im August 1929 zogen etwa 3000 Bauern
zu einer Kundgebung in die kleine Industriestadt Neumünster ein. Es
kam zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei, meldete der „General-Anzeiger"
am nächsten Tag. Über den folgenden Prozeß um die Straßenkämpfe
hatte Fallada berichtet, in seinem Roman das Geschehen dann allerdings nach
Pommern verlegt. Monk hat die Handlung nach Schleswig-Holstein zurückgeholt;
er drehte ca. 120 Tage in den realen historischen Kulissen von Hamburg, Rendsburg,
Lüneburg, Eckernförde und Neumünster.
In epischer Breite und mit Detailfreudigkeit beschreibt Monk, dem Autor
folgend, ein Klima der Denunziation, der Staatsverdrossenheit und der politischen
Intrige. Dabei legt der Film nahe, daß in jener Zeit engstirnige Sozialdemokraten
in ihren Regierungsfunktionen nicht schuldlos waren am Niedergang der ersten
deutschen Republik. Dem Regisseur, dessen Bearbeitung des Stoffes Sympathie
für den etwas selbstherrlichen sozialdemokratischen Bürgermeister
des Ortes verrät, geht es um kritische historische Distanz, durch
die die geschichtlich verbürgte Handlung ins Verhältnis gesetzt
werden kann. Am Schluß fügt Monk der Romanhandlung eine selbsterfundene
Passage hinzu; da Fallada offenbar einer gänzlichen Fehleinschätzung
der NS-Bewegung erlegen war - die NSDAP spielt in dem Buch so gut wie keine
Rolle -, läßt der Regisseur in der letzten Sequenz einen Nazi-Trupp
mit dem Schlachtruf „Nieder mit der Republik!" durch Altholm ziehen. Eine
berechtigte kritische Fußnote, zumal in Wirklichkeit die Nazis in
Schleswig-Holstein bereits im Juli 1932 bei den Reichstagswahlen die absolute
Mehrheit erlangt hatten.
Kurt Tucholsky hatte Fallada seinerzeit eine erstaunliche „Echtheit
des Jargons" attestiert. Diese Echtheit wird durch Egon Monks Bestreben
nach größtmöglicher Authentizität der Verfilmung weitergeführt,
bis hin zum schleswig-holsteinischen Platt aller Chargen. Der Regisseur
Monk, ehemaliger Brecht-Schüler und langjähriger Leiter der Hauptabteilung
Fernsehspiel beim NDR, zeigt zudem eine besondere Vorliebe fürs Kammertheatralische;
amerikanische und halbnahe Kameraeinstellungen dominieren in diesem Film,
dessen Inszenierung durch die anhaltende Konzentration auf Gesichter, Gesten
und Zweierkonfrontationen geprägt ist: eine ausladende bedächtige
Verfilmung.
(Teil 1) Max Tredup, Annoncenwerber bei der „Chronik“, der kleinen Provinzzeitung
von Altholm, kann mit seinem dürftigen Druckzeilenhonorar Frau und
Kind nicht mehr ernähren. Als er zufällig Zeuge wird, wie die in
Bedrängnis geratenen Bauern der Gegend eine Pfändungsvollstreckung
der Finanzbehörde massiv zu verhindern versuchen, macht er Fotos davon
und verkauft sie für tausend Mark als Belastungsmaterial an den Regierungspräsidenten
Temborius, der die Verhaftung des Bauernführers anordnet.
(Teil 2) Die Bauern sind provoziert. Es gibt Bombenanschläge, darunter
auch auf den Regierungspräsidenten in Schleswig. Der Bürgermeister
von Altholm genehmigt gegen den Willen des Präsidenten eine Bauerndemonstration
im Ort. Polizeioberinspektor Frerksen gerät daraufhin in Zweifel, wem
seine Loyalität zu gelten hat. Auf Anordnung Temborius' stehen zwei
Kompanien Schutzpolizei nahe bei Altholm, bereit, den friedlichen Ablauf
der Kundgebung in Frage zu stellen.
(Teil 3) Große Unruhen sind die Folge. Stuff, Lokalredakteur der
„Chronik“, nimmt das Ende der Bauerndemonstration zum Anlaß, die „Roten"
in der Stadtverwaltung anzugreifen. Über einen fiktiven Leserbrief
gibt er den Bauern das Stichwort zum Boykott. Vertreter der örtlichen
Geschäftsleute versuchen mit dem Landvolk Kontakt aufzunehmen, dessen
ultimative Forderung, die Entlassung von Gareis und Frerksen, die Verhandlungen
jedoch scheitern lassen.
(Teil 4) Bürgermeister Gareis nimmt den Boykott der Bauernschaft
nicht zur Kenntnis. Daraufhin fährt eine Abordnung der Geschäftsleute
nach Schleswig zum Regierungspräsidenten, der nun seinerseits die Chance
erkennt, den ihm schon lange unbequemen Bürgermeister und Parteigenossen
zu treffen. Er läßt Frerksen dispensieren. Gareis geht kompromißlos
gegen den Lokalredakteur vor, versucht die Anschuldigungen des Regierungspräsidenten
geheimzuhalten und erzwingt Pressefrieden bis zur gerichtlichen Untersuchung
der Demonstrationsvorgänge.
(Teil 5) Tredup sitzt als Berichterstatter bei den Verhandlungen des
Landvolkprozesses. Zu früh kündigt er die Entmachtung des Bürgermeisters
an und verliert seine Stellung. Als er das Geld kassieren will, um mit seiner
Familie fortzuziehen, wird er erschlagen. Der Landvolkprozeß endet
mit einem Kompromißurteil. Allein Gareis, der Bürgermeister, bleibt
auf der Strecke.
Faust (1960) 128
Min
Der FAUST von Johann Wolfgang von Goethe zählt noch immer zu den gewaltigsten
deutschen Bühnenstücken. Im 20 Jahrhundert setzte Gustaf
Gründgens mit seiner Inszenierung am Hamburger Schauspielhaus neue Maßstäbe.
Der Mephisto in FAUST war wohl Gustaf Gründgens' berühmteste Bühnenrolle,
und auch heute noch gehört diese Inszenierung zu den spektakulärsten
Bühnenereignissen.
Mephisto: Gustaf Gründgens
Faust: Will Guadflieg
Regie: Peter Gorski
Die Leiden des jungen Werthers
(1976) 101'
Regie: Egon Günther nach dem gleichnamigen Roman von
Goethe
Schauspieler: Hans-Jürgen Wolf, Katharina Thalbach, Hilmar Baumann,
Heinz Dieter Knaup, Herwart Grösse, Dieter Mann, Klaus Piontek, Stefan
Lisewski
Wilhelm übergibt einem Verleger in Leipzig die Briefe seines Freundes
Werther. Gemeinsam lesen sie, das Schicksal des jungen Mannes lebt vor ihrem
Augen auf: Auf einem Ball lernt Werther die junge Lotte, Tochter des Amtmanns,
kennen. Er wird ständiger Gast in ihrem Haus und ein Freund der Familie.
Seine Liebe zu Lotte ist hoffnungslos, denn sie ist mit Albert verlobt, einem
Mann, der ihr eine gesicherte Zukunft garantiert. Werther dagegen ist ein
Schwärmer, der gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse aufbegehrt.
Er trennt sich von Lotte, nimmt eine stupide Arbeit in der Kanzlei eines
Gesandten auf. Die Unverträglichkeit der Arbeit und die Brüskierung
durch dünkelhaften Adel lassen ihn fliehen und in die Umgebung von Lotte,
die inzwischen mit Albert verheiratet ist, zurückkehren. Er bedrängt
sie mit seiner leidenschaftlichen Liebe, doch sie weist ihn von sich. An
seiner unglücklichen Liebe und dem Leben verzweifelt, wählt er
den Freitod.
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