
Für jeden kommt etwas vor! Komödien, Kriminalfilme, Psychothriller, Dramafilme, Literaturfilme, und Dokumentarfilme: Jedes Thema kommt an die Reihe: Wissenschaft, Kultur, Geschichte, Politik.
Kürzere Reisefilme—12-15 Minuten (Seite 2)
Die Altstadt von Jerusalem und das Christentum
Serengeti—Land der Schöpfung—Tansania
Dokumentarfilme—30-45 Minutenlang (Seiten 2 bis 4)
Lepra—Deutsches Aussetzigen-Hilfswerk
Zirkus Krone—das rollende Imperium
Deutschland-Fernsehhauptstadt; Köln
strahlt aus
Die Bavaria-Studios
Jeder hat seine Zeit
Ein Schwabe in Tokio (Fußball);
zu Besuch bei Guido Buchwald
Erbschaften - Fischen und Fangen
Homecare
Boulevard Bio-Ganz normale Genie
Integrierter Umweltshutz
Feuerwehrleute
Bouleward DW- Diana ua.
FFV-Im Banne des Planeten Mars-Raumfahrt
TV-Filme (Seiten 4und 5)
Die Klette - Komödie + Apropos
- Schweine
Gambit - Thriller + Apropos Apropos
- Rolf Zachar -Schauspieler-enfant terible
Das Fräulein von damals—Nostalgie
Literaturverfilmungen (Seiten 6 bis 9)
Die Wahlverwandtschaften von J. W. Goethe
Die neuen Leiden des jungen Werthers von Ulrich Plenzdorf
Kürzere Reisefilme—je 12-15 Minutenlang
Die Altstadt von Jerusalem und das
Christentum
Jerusalem—die 19 Jahrhunderte vor unserer
Zeitrechnung gegründete Stadt ist jüdisches, christliches und
muslimisches Heiligtum zugleich. Nirgends sind sich die drei monotheistischen
Weltreligionen so nah wie hier. DW-tv begibt sich in Jerusalem auf die
Spuren des Christentums, folgt dem Pilgerzug der Gläubigen durch den
Kreuzweg Via Dolorosa, besucht das Coenaculum und folgt den Pilgern zum
Garten Gethsemane. Der Weg endet an der heiligsten Stätte der Christenheit,
an der Kirche zum Heiligen Grab. Seit Jahrhunderten wird diese Kirche von
sechs verschiedenen christlichen Glaubensrichtungen verwaltet, und ihr
verwirrender Grundriß ist ein Ausdruck dieser komplizierten Besitzverhältnisse.
Serengeti—Land der Schöpfung—Tansania
Serengeti—schon der Name weckt die
Sehnsucht nach einer intakten Natur. Weite Ebenen, Savannen, Salzseen und
Akazienwälder—vor einer traumhaft schönen Kulisse spielt sich
hier ein einmaliges Wildtierleben ab; bestimmt von Trockenzeit und Regen,
Tod und Geburt, Fressen und Gefressenwerden. Jedes Jahr im November, am
Anfang des Regenzeit, ziehen riesige Gnuherden durch die Serengeti, begleitet
von Hunderttausenden Zebras, Gazellen und Antilopen, gefolgt von Löwen,
Geparden und Hyänen. Dutzende großer Säugetiere gehören
zu dem komplexen und empfindlichen Ökosystem Serengeti, 500 verschiedene
Vogelarten—und auch immer mehr Touristen. Die künftige Herausforderung
der Serengeti ist es, sie zu einem nicht allzu großen Störfaktor
werden zu lassen. Es wäre schade, wenn man dieses einmalige Naturerbe
der Menschheit vor den Menschen gänzlich verschließen müßte,
um es zu erhalten.
Dokumentarfilme—je
30-45 Minutenlang
Lepra—Mehr als eine Krankheit
Lepra, im Alten Testament zum erstenmal beschrieben, gilt als die älteste
Krankheit der Menschheit. Weltweit gibt es über zwölf Millionen
Leprakranke. Das Deutsche Aussätzigen-Hilfswerk (DAHW) mit Sitz in
Würzburg ist weltweit die größte Hilfsorganisation im Kampf
gegen eine Krankheit, die Menschen nicht tötet, aber zeichnet, entstellt
und verkrüppelt. Entstanden ist das nicht mehr nur medizinische, sondern
auch soziale Hilfswerk auf dem „Umweg" über Äthiopien. Dort hatten
Touristen zu Kaiser Haile Selassies Zeiten in Harar einen französischen
Arzt entdeckt, der unter unbeschreiblichen Bedingungen Aussätzige
betreute. Aus der Spendenaktion für diesen Arzt entstand vor 40 Jahren
das DAHW, informiert über den aktuellen Stand der Lepraforschung und
zeigt die Situation der Betroffenen, die zum Teil immer noch in „Kolonien"
leben.
Circus Krone
Das rollende Imperium. Der größte Zirkus Europas meldet
Besucherrekorde. Allein in einer Saison kommen über eine Million Menschen,
um Artisten, Tiere und Sensationen zu bewundern. Der Circus Krone, in München
beheimatet und seit über 90 Jahren in Familienbesitz, wird von Christel
Sembach-Krone geleitet. Sie setzt auf ein Programm der Superlative. Die
Show wurde von dem amerikanischen Choreographen Gene Reed inszeniert. Für
Kostüme, Ausstattung, Licht und Musik hat die Direktorin 900.00 DM
investiert. Auch das Programm hat es in sich: Weltberühmte Luftakrobaten
wie die Borsovis oder die Schleuderbrett-Truppe Balkanski treten auf. Der
Film zeigt Alltag, Glamour, Höhepunkte und Probleme der rollenden
Stadt.
Köln strahlt aus
Wie eine Stadt zu Europas Fernsehzentrum wurde. Europas Medienhauptstadt
heißt Köln. Nach und nach wurde die Metropole zum Fernsehzentrum.
Es ist das Ergebnis von gezielten Fördermaßnahmen und politischen
Vorgaben. So siedelte sich in Köln neben dem Westdeutschen Rundfunk
(WDR) und der Deutschen Welle mit dem Privatsender RTL auch Europas größter
Werbeträger an. Heute sind in und um Köln hunderte große
und kleine Fernsehproduktionsfirmen angesiedelt. Regisseure, Schreiber
und Journalisten ziehen in die Stadt, die gar einen ultramodernen Stadtteil
nur für Medienschaffende geplant hat. Die von der Rezession gebeutelte
Stadt, in der die klassischen Industrien von Stahl bis Bau mehr als 50.000
Menschen in die Arbeitslosigkeit entlassen haben, konnte das durch eine
„weiße industrie" ausgleichen: Die Fernsehmacher.
Die Bavaria-Studios
Vom Stummfilm zu High-Tech. Mehr als ein dreiviertel Jahrhundert sind
die Bavaria-Filmstudios inzwischen alt. Dutzende Male schon sah es so aus,
als sei das Ende für die Filmstadt in Geiselgasteig am grünen
Rand Münchens gekommen. Und immer wurde die Bavaria gerettet.
Totgesagte leben eben länger und das nicht schlecht. Mit ihren Ambitionen
in Sachen Multimedia sind die Müncherner auf Expansionskurs—die defizitären
Jahre scheinen vorbei zu sein. Geld macht die Bavaria mit den kostengünstigen
Nachmittags-Dailies, dem Berliner Kopierwerk neuer Sender auf dem Firmengelände.
Nach kostspieligen Flops war man jahrelang auf dem Kinomarkt abstinent,
nun will die Bavaria wieder an den Ruhm vergangener Tage anknüpfen.
So suchen die Münchener neue Geschichten, denn die Bavaria leidet
wie der deutsche Film unter dem Mangel an Ideen und Drehbüchern. Und
doch ist es noch nicht allzu lange her, daß in Geiselgasteig „Das
Boot" gedreht wurde.
Jeder hat seine Zeit
„Keine Zeit!" Trotz Flugzeugen, trotz Computern mit immer schnellerten
Prozessoren scheint die Zeit immer knapper zu werden. Terminkalender und
Uhren bestimmen die Tagesabläufe. Doch es gibt auch andere Zeitfaktoren,
die großen Einfluß auf die Menschen haben. Die Wissenschaftler
sprechen von Chronotopen. Unter diesen Zeiträumen versteht man eine
zeitliche Struktur, die geprägt ist durch die zyklischen Einflüsse
von Sonne und Mond, also der Länge des Tages, und Jahreszyklen. In
diesen Zeitstrukturen laufen zahlreiche Prozesse ab, die das Überleben
von Organismen ermöglichen: Aktivität und Ruhe, Energieaufnahme
und -verarbeitung und vieles mehr. Ein interessantes Phänomen ist,
daß der Ablauf dieser Prozesse von einer inneren Uhr gesteuert wird.
Diese innere Uhr muß der äußeren Zeit angepaßt werden.
Was passiert, wenn Menschen ihr Leben gegen die innere Uhr gestalten? Wie
reagiert die Medizin auf das Wissen um diese innere Uhr?
Ein Schwabe in Tokio
Auf dem Höhepunkt einer Bilderbuchkarriere nahm Guide Buchwald
1994 Abschied vom Schwabenland, um in der japanischen Profilige Fußball
zu spielen. Ein Entschluß, den viele Meister nicht zugetraut hatten.
Zu verwachsen schien das schwäbische Urgestein mit dem VfB Stuttgart,
als daß er Späzle gegen Sushi eintauschen könnte. Doch
das Geld der Yen-Liga und seine Lust auf neue Erfahrungen gaben den Ausschlag.
Viele ausländische Profis sind in Japan gescheitert, kamen mit der
fremden Mentalität nicht zurecht. Doch der 1,88 Meter große
Abwehrspieler hat es geschafft, in der J-League einer der Superstars zu
werden. Der Fußballprofi ist zurecht stolz darauf, sich mit seiner
Familie in einer ganz anderen Kultur behauptet zu haben. Doch da gibt es
immer noch dieses Heimweh… In diesem Film dreht sich nicht alles, aber
vieles um Fußball. Denn gerade auf und um den Fußballplatz
werden Mentalität und Alltagskultur eines Landes deutlich. Wenn König
Fußball Hof hält, spiegelt sich die Gesellschaft in allen Facetten.
Erbschaften - Vom Fischen und Fangen
Werner Zorn ist seit 1933 in der Fischerei tätig. Gelernt hat
er beim Vater, als kleiner Junge ist er schon bei seinem Großvater
mitgefahren. Sein Sohn Gerd-Dieter hat ebenfalls beim Vater in der Reusenbrigade
der Genossenschaft sein Handwerk gelernt und dessen Sohn Kay, heute 25
Jahre alt, natürlich auch. Bis zur Wende waren die Zorns zufriedene
Brigidisten in der reichsten Fischereiproduktionsgenossenschaft der DDR.
Heute, in der von ehemals 120 auf gerade mal 30 Mitgliedern geschrumpften
Genossenschaft, fristen sie als Kleinstunternehmer ein eher kärgliches
Dasein. So muß Opa mit seinem 72 Jahren noch mit auf den Kutter,
„in den Hering", wie sie sagen. Nur mit der Vermietung einer Ferienwohnung
kommen sie über die Runden. Natürlich muß Mutter Zorn,
wenn es ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Bürgermeisterin von
Klein-Zickau zuläßt, auch mit ran. Muß bei Wind und Wetter
Netze flicken, die Fische für den Transport verpacken. Alles das war
schon immer so. Soweit sie denken kann, lebt die Familie in Klein-Zickau
an der Südspitze Rügens. Soweit sie sich erinnern, lebten alle
von und in der Fischerei. In der wievielten Generationen schon? Darauf
haben sie keine Antwort - außer: „Wohl schon immer!"
TV-Filme
Die Klette
Während der ausgedehnten Feier
seines 40. Geburtstags will Lachmund—ausgesehener Juraprofessor an der
Verwaltungshochschule von Bramme—etwas Luft schnappen. Dabei sieht er ein
junges Mädchen, das sich gerade vor einen Zug werfen will. Im
letzten Augenblick kann er sie von den Schienen reißen. Der Wirbel,
den die Lokalzeitung darum macht, ist ihm peinlich. Seine Frau Uta überredet
ihn zu einem Besuch im Krankenzimmer—nicht nur aus Mitgefühl, sondern
auch, weil ganz Bramme auf den künftigen Hochschulpräsidenten
und vielleicht auch Stadtrat und Bürgermeister blickt. Bei diesem
Besuch stellt Lachmund voller Schrecken fest, wie sehr sich Ann-Kristin
auf ihren Retter fixiert hat. Ist er jetzt eine Art Ersatzvater für
sie—oder mehr? Lachmund wird mit öffentlichen Dankadressen, Fotos
mit Widmung, Blumen und anderen Annäherungsversuchen überhäuft.
Er steigert sich dabei in die Vorstellung hinein, daß die Leute diesen
Dingen einen erotischen Beigeschmack geben. Und das läßt ihn
zum Teil auf tragikomische Weise aus dem Gleichgewicht geraten. Ann-Kristin
läuft beim Volkslauf hinter ihm her. Sie tritt in seine Volleyballmannschaft
ein, spielt mit seinen Kindern, bietet sich als Haushaltshilfe an, zwingt
ihn zu einem gemeinsamen Treffen und zieht in seine Nähe. Allmählich
beginnt auch er, dem Reiz dieses jungen Lebens, das sich ganz nach ihm
zu richten scheint, zu erliegen.—In den Hauptrollen: Désrée
Nosbusch als Ann-Kristin und Peter Sattmann als Lachmund.
Gambit
Ein zweiteiligen Thriller mit Erpressung
und Drohung von Atomkraftwerkzerstörung
Drehbuch: Matthia Selig
Regie: Peter F. Bringmann
Hauptdarsteller: Despina Pajanou, Dominic
Raacke, Rolf Zacher
Professor Ott, ein deutscher Atomwissenschaftler von hohem Ansehen, stirbt unter merkwürdigen Umständen—während einer Vorlesungsreihe in Marokko. Kurze Zeit danach erhält die Bundesregierung den ersten einer Reihe von Erpresserbriefen, der die deutschen Sicherheitskräfte alarmiert. Eine Gruppe, die sich O.D.I.N. nennt, droht mit der Zerstörung eines Atomkraftwerks, sollte sie nicht zu einem bestimmten Termin eine Milliarde Mark in Gold erhalten. Nach anfänglichen Zweifeln sind die Experten der Sicherheitskräfte davon überzeugt, daß diese Drohung ernst genommen werden muß. Die Erpresser beweisen mit jedem Brief, daß sie in der Lage sind, Lücken in den Sicherheitsvorkehrungen zu finden und zu nutzen…
Das Fräulein von damals
Drehbuch: Robert Muller
Regie: Dietrich Haugk
Hauptdarsteller: Horst Buchholz, Doris
Kunstmann, Johanna von Koczian, Judy Winter, Karin Baal
Nach 25 Jahren kehrt der amerikanische Germanist und Hermann-Hesse-Forscher Peter Warren anläßlich eines Symposions nach Hamburg zurück. Hier hatte er als junger Wissenschaftler im Amerika-Haus gearbeitet. Damals hatte Peter das Hamburger Fräulein-Wunder schätzen und lieben gelernt. An sechs Freundinnen aus alten Zeiten hat er durchaus lebendige Erinnerungen, vor allem an Mimi, seinerzeit Jungredakteurin beim Spiegel. Sie möchte er wiedersehen. Doch ein Eintreffen in Hamburg spricht sich auch bei den anderen Damen herum, uns so trifft er sie alle: Gerda-Mai, damals Jurastudentin, inzwischen mit einem Bundestagsabgeordneten verheiratet; Margarete, früher Bardame, nun erblindete Ex-Gattin eines Bankiers;die ehemalige Kunststudentin Daniela, die die Hamburger Kunstszene beherrscht, aber leicht frustriert wirkt; die Schauspielerin Magda, inzwischen Garderobiere. Und Ingred, die ehemalige Krankenschwester, die nun am Rande des Hamburger Hafenmilieus lebt. Im Hotel erfährt der Wissenschaftler bei seiner Suche nach den vergangenen Zeiten freundliche Unterstützung—von Empfangschef Eissberger und der Gästebetreuerin Ilse, die ihn ständig an Mimi erinnert. Auch sie hatte er wiedersehen können, wenn er sie erkannt hätte.
Literaturverfilmungen
Die Neuen Leiden des jungen Werthers
Nach dem gleichnamigen Bühnenstück
von Ulrich Plenzdorf
Farbfilm, 110 Min., 1976
deutsch mit engl. Untertiteln
Produktion: Artus / Südwestfunk
Regie: Itzenplitz, Eberhard
Kamera: Franz Rath, Ulrich Burtin
Schnitt: Horst Scheel
Musik: Michael Rüggeberg, Cat
Stevens
Drehbuch: Ulrich Plenzdorf
Darsteller: Barbara Klein, Hans-Werner
Bussinger, Henning Gissel, Klaus Hoffmann, Léonie Thelen
Der 17-jährige DDR-Jugendliche Edgar Wibeau, Sohn einer Werksleiterin, gibt nach einem Konflikt mit seinem Ausbilder seine Lehrstelle auf und versteckt sich in der Laube eines Freundes in Ostberlin. Edgars Geschichte wird von ihrem Ende her, ausgehend vom Tod des Jungen durch eine selbstgebastelte Maschine, erzählt. Der Vater, der sich lange Zeit weder um seinen Sohn noch um seine Frau gekümmert hatte, befragt Freunde, Bekannte und Kollegen Edgars, um etwas über dessen Leben zu erfahren. Er hört die Tonbänder ab, die Edgar an Willi, seinen besten Freund, geschickt hat. Immer wieder tritt Edgar selbst vor die Szenen und erläutert, was sich jeweils zugetragen hat.
In der Laube hat Edgar ein altes Reclam-Heftchen gefunden, ohne zunächst auch nur den Titel zu wissen, da er die ersten Seiten als Klopapier benutzt hatte. Das Heftchen enthält Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werthers", in dessen Handlung Edgar Parallelen zu seinem eigenen Leben entdeckt. Statt der Briefe an Wilhelm schickt er Tonbandkassetten an Willi; er berichtet von seinem Widerspruch zur Gesellschaft, von seiner Liebe zu Charly, einer Kindergärtnerin, der er auf dem Laubengelände mit Kindern begegnet, und von der Auseinandersetzung mit Charlys Freund, einem angepaßten, karrierebewußten Menschen. Edgar beginnt dann, in einer Malerbrigade zu arbeiten, doch diese nimmt ihn, den langhaarigen Jeansträger, nicht für voll. Doch Edgar will es seinen Kollegen beweisen und ein Farbspritz-Gerät bauen, an dem sie sich schon lange versuchen. Als um ein Haar die Laube, mit Edgar darin, von einem Abräumbagger plattgewalzt wird, bleibt Edgar für seine Konstruktion nur noch wenig Zeit. Ein Kurzschluß beendet sein Leben, an dessen Ende er "Old Werther" fast verstand: "Ich konnte einfach nichts einstecken. Ich Idiot wollte immer Sieger sein."
"Die neuen Leiden des jungen W.", geschrieben vom DDR-Autor Ulrich Plenzdorf, hatten eine lange Vorgeschichte, bevor Eberhard Itzenplitz den Text für den Südwestfunk verfilmte. Bereits 1969 lag die Geschichte der Defa (der staatlichen Filmgesellschaft der DDR) als Szenarium vor, es wurde jedoch nicht verfilmt. Plenzdorf schrieb dann eine Prosafassung, die, 1972 in der DDR-Zeitschrift "Sinn und Form" veröffentlicht, eine heftige Debatte auslöste, da der scheinbar respektlose Umgang mit dem literarischen Erbe sowie die Darstellung des DDR-Jugendlichen Edgar Anstoß erregte. Die gleichzeitig entstandene Bühnenfassung (DDR-Uraufführung 1972) wurde zum größten Erfolg im Theater der DDR der frühen siebziger Jahre. 1975 war es auch das in der Bundesrepublik am meisten aufgeführte Stück. Zu einer Verfilmung entschloß sich weder das Fernsehen der DDR noch die Defa, obwohl Plenzdorf als Szenarist für zahlreiche Defa-Produktionen (u.a. DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA) die Drehbücher geschrieben hatte.
Die Fernsehfassung von Itzenplitz zeichnet sich durch den überraschend gut gelungenen Einsatz fernsehspezifischer Mittel aus. Die retrospektiven Kommentare des Edgar W. werden im "Blue-Box"-Verfahren eingeblendet; so steht Edgar vor den Szenen, in denen er selbst als Handelnder auftritt, und nimmt zu ihnen Stellung. Erst in der Verfilmung entfalten die dramaturgischen Mittel Plenzdorfs ihre volle Wirkung: die episierende Erzähltechnik und die Reflexion des Erzählten, die Unterbrechungen der Handlung und das Montage-Prinzip. Die Fernsehkritik lobte, daß Itzenplitz' TV-Fassung „fast noch authentisch ‚plenzdorfischer'‚geraten ist als der Buchtext". Die Besonderheit der Geschichte liegt darin, daß sie nicht nur die Pubertät eines 17-jährigen Jugendlichen schildert, sondern auch das Bild einer ganzen Generation mit ihren Bedürfnissen nach privatem Freiraum, mit ihrem Widerspruch gegen das Leistungsprinzip, gegen Anpassung und Unterordnung vorführt. Edgar, der von Klaus Hoffmann sehr eindringlich und präzis verkörpert wird, ist mit seiner saloppen und burschikosen Art, hinter der sich eine große Empfindsamkeit verbirgt, nicht nur ein Verweigerer und Aussteiger, sondern er sucht insgeheim dennoch, obwohl auf andere und sehr eigene Weise, den Erfolg und die Bestätigung durch die anderen.
Auch wenn Edgars literarisches Vorbild Salingers "Fänger im Roggen" ist und seine Art, sich auszudrücken, von diesem Buch geprägt wird, so dient das spielerische Zitieren aus Goethes "Werther" doch dazu, die Widersprüche, in denen sich der Junge mit seiner Umwelt befindet, deutlicher hervortreten zu lassen. Vor allem die Heuchelei und die Verstellung der DDR-Gesellschaft werden hier am Beispiel von Schule und Erziehung zum Thema gemacht.
Der Film steht vor dem Dilemma, daß
viele der von Plenzdorf angesprochenen Motive und Haltungen für ein
bundesdeutsches Publikum kaum verständlich sind, wenn es den DDR-Kontext
nicht kennt. Vieles erscheint nur komisch, die Schärfe der Vorlage
wirkt abgemildert. Christian Hall schrieb 1976 über die Verfilmung:
"Ins Bundesrepublikanische transportiert, wäre Edgar Wibeau ein liebenswürdig
harmloser Spinner, ein braver Eigenbrötler, beinahe ein bürgerlicher
Mustersohn: nicht gar so angepaßt, aber doch guten Willens. Gemessen
an den Ausgeflippten dieser Gesellschaft ein Asket, ein lieber Junge, einer,
der sich helfen ließe."
Doch gerade in dieser Diskrepanz zwischen
ostdeutscher Vorlage und westdeutscher Adaption, zwischen den unterschiedlichen
Bedeutungen, die das Gleiche: Widerstand, Protest, literarische Tradition
evoziert, wird DIE NEUEN LEIDEN DES JUNGEN WERTHER. als ein sehr deutscher
Film erkennbar.
Die Wahlverwandtschaften, Farbfilm,
102 Min., 1974
Nach dem gleichnamigen Buch von Goethe;
deutsch, engl. Untertiteln
Produktion: DEFA, Gruppe Roter
Kreis
Regie: Kühn, Siegfried
Kamera: Claus Neumann
Drehbuch: Regine Kühn, nach J.W.
von Goethe
Schnitt: Renate Bade, Helga Krause
Musik: W.A. Mozart, Karl-Ernst Sasse
Darsteller: Beata Tyszkiewicz, Christine
Schorn, Gerry Wolf, Hilmar Thate, Horst Schulze, Magda Vasary, Volkmar
Kleinert
Das Ehepaar Eduard und Charlotte wohnt in einem etwas heruntergekommenen, einsam gelegenen Schloß. Als Eduard seinen alten Freund, den (namenlos bleibenden) Hauptmann einladen will, reagiert seine Frau zunächst abweisend, denn sie möchte lieber mit ihrem Mann allein bleiben und sich "keiner Gefahr aussetzen", fügt sich dann und lädt ihrerseits die junge Ottilie ein. Das Quartett, ökonomisch von keiner Arbeit abhängig, begibt sich daran, die Ländereien des Hausherren zu vermessen und neu zu gestalten; unter der Anleitung des Hauptmanns wird sogar mit dem Bau eines neuen Hauses begonnen. Eduard verliebt sich in Ottilie und denkt immer weniger daran, daraus ein Geheimnis zu machen, während sich die Zuneigung des Hauptmanns zu Charlotte eher still und unmerklich entwickelt. Als Ottilie im Auftrag Eduards einige Schriften kopiert und dabei sogar seine Handschrift täuschend zu imitieren versteht, verspürt dieser endlich Gewißheit: "Du liebst mich!"
Warnende Beispiele bleiben wirkungslos; weder hört Eduard auf die Mahnungen des alten Hausfreunds Mittler, der sich leidenschaftlich und streng für die Unauflöslichkeit der Ehe einsetzt, noch achtet er auf das eher abstoßende Beispiel des Grafen, der sich eine Baronesse wie eine Mätresse hält. Nur Charlotte warnt den Hauptmann: "Du mußt weg, noch ist es Zeit." Nach dessen Abreise wird die Störung des Ehefriedens unübersehbar; bald verläßt Eduard das Schloß, lebt vorübergehend allein und zieht, als er erfährt, daß Charlotte ein Kind von ihm erwartet, in den Krieg. Bei seiner heimlichen Rückkehr überrascht er Ottilie, die im Park sein und Charlottes Kind hütet; die beiden entfernen sich gemeinsam und vergessen das Kind, das nach Ottilies überstürzter Rückkehr in einem See des Parks ertrinkt. Ottilie fühlt sich dafür verantwortlich und stirbt bald. Zurück bleiben zwei einsame Eheleute in einem großen, weitgehend leeren, heruntergekommenen Schloß.
Gegen Mitte der siebziger Jahre gab es im Kino der DDR eine auffallende Tendenz zu Literaturverfilmungen, unter denen vor allem „Klassiker" gefragt waren: Stoffe, die ein vergleichsweise geringes Risiko bargen und dennoch die Möglichkeit boten, aktuelle Fragen einzuarbeiten. Siegfried Kühns Adaption von Goethes 1809 vollendetem Roman diskutiert die Frage der Unauflöslichkeit der Ehe sichtlich auch mit dem Bewußtsein, daß Scheidungen in der DDR - verglichen mit der Bundesrepublik - eine weitaus einfachere und auch häufiger praktizierte Möglichkeit waren, unglückliche Beziehungen zu beenden und den Partnern neue Wege zu öffnen. Bezeichnend ist, wie Kühn betont, daß letztlich Kinder die eigentlichen Opfer scheiternder Ehen werden und dabei ein Motiv, das bei Goethe und auch in der 1996 von den Brüdern Paolo und Vittorio Taviani inszenierten Kinoversion der "Wahlverwandtschaften" eine wichtige Rolle spielt, völlig außer Acht läßt: Da gleicht das Kind von Charlotte und Eduard den beiden potentiellen neuen Partnern, Ottilie und dem Hauptmann - als hätten die beiden Eheleute in jener Nacht jeweils einen anderen Partner im Sinn gehabt und mit ihrem Liebesakt einen doppelten emotionalen Ehebruch begangen.
Der mit viel Elan in Angriff genommene Neubau bleibt am Ende nur eine Bauruine, von den Männern unvollendet zurückgelassen. Immer wieder richtet der Regisseur den Blick der Kamera auf das verfallende Schloß, zeigt Risse in den Mauern und Wänden, schadhaften Putz und abbröckelnde Fassaden - und wird so nicht müde, visuelle Zeichen zu setzen für den Zustand dieser ein wenig heruntergekommenen Aristokratie zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Zwar folgt die Verfilmung, auch wenn sie einzelne Motive der Vorlage vernachlässigt oder ausklammert, in den Grundzügen sehr genau ihrer Vorlage, doch die Szenerien und mit ihnen auch die Figuren wirken weit ärmer, als es die Lektüre von Goethes Roman den heutigen Leser erwarten läßt.
Auch wenn die Inszenierung mitunter etwas altmodisch und hausbacken wirkt, so ist es Siegfried Kühn und seiner Drehbuchautorin doch gelungen, die Geschichte des nie wirklich vollzogenen doppelten Partnertausches weitgehend in Bilder umzusetzen und nicht als mit Dialogen überfrachtetes Redestück zu realisieren. Geschickt bezieht die Regie auch den Wechsel der Jahreszeiten ein, beginnend mit einem kühlen Vorfrühling und der Erwartung eines erfüllten Sommers, in dem die Figuren von ihren Gefühlen wohl selbst überrascht werden, doch wenn der Herbst kommt, hat sich Eduard bereits in die freiwillige Isolation begeben - bis im nächsten Frühsommer noch einmal Momente der Leidenschaften und Hoffnungen entstehen. "Säen ist nicht so beschwerlich wie ernten", kommentiert der alte Gärtner, den das Drehbuch allerdings ein wenig mit prophetischen Sentenzen der Lebensweisheit überfrachtet.
Deutlich mildert diese Verfilmung den
ethischen Rigorismus des Romans ab, mit dem Goethe ungeachtet seiner Zweifel
an der Institution "Ehe" für die Überwindung des Naturgesetzes
von den "Wahlverwandtschaften" eintrat; der Begriff stammt - darauf verweisen
auch Vorlage und Film - aus der Chemie und beschreibt die Fähigkeiten
eines neu auftretenden Elements, eine feste chemische Verbindung zu lösen
oder mit dem frei gewordenen Element eine neue Verbindung einzugehen. Kühn
plädiert stattdessen - stets unausgesprochen - für pragmatischere
Lösungen.
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